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Kategorie: Berichte

01.01.2016

Christian Oppel

Drei Monate, sieben Rennen, zwei Universitätsrekorde

Mein erstes Semester als Student und „Student Athlete“ in Amerika ist bereits vorbei. Hier ein kleiner Einblick in meine letzten (Wettkampf-)Wochen.

Ich kam Ende August in Südflorida an, um nach sehr gutem Abschluss meines Bachelors in Wirtschaftspsychologie im Juli dieses Jahres, an der Nova Southeastern University (NSU) mein Masterstudium zu absolvieren. Ich renne also nicht nur gerne in meiner Freizeit sondern scheinbar übertrage ich diese Energien ebenfalls in andere Lebensbereiche.

Nachdem die Studiengebühren in Amerika für uns Deutsche sehr hoch erscheinen, verwirklichte ich mir meinen Traum in Verbindung mit einem anderen wichtigen Teil von meinem Leben – dem Laufen. Über meine akademischen und sportlichen Leistungen kam ich an ein Stipendium. In Amerika herrscht eine andere Sportkultur an Universitäten, so dass hier viel Geld investiert wird. Neben tollen Sportstätten sind auch Hotelunterkunft und Flüge innerhalb Amerikas, wenn für die Uni gestartet wird, inbegriffen. Das ganze verlangt dann allerdings doppeltes „powern“, sprich sowohl im Sport, als auch im Studium den amerikanischen Weg zu gehen, Ziele zu haben und bereits sein jeden Tag alles zu geben.

Bild 1Die Voraussetzungen an der NSU sind für mich die besten, die ich je hatte. Bis auf dass wir sehr viel auf der Straße trainieren müssen (ich liebe es in der Natur zu laufen) und man manchmal dem Personal etwas zu viel Fragen stellt, ist das System und die Örtlichkeiten perfekt. Nachdem das Klima sehr feucht und warm ist sind die optionalen Eisbäder (die waren anfangs echt verdammt kalt) richtig dosiert „Wunderheiler“ und machen so manche müde Beine wieder munter. Selbst ein Unterwasserlaufband ist vorhanden. Dieses nutzte ich ich während meiner ersten Cross-Country Saison, welche von September bis November dauerte, allerdings nur einmal.

Tritt eine kleiner Verletzung auf oder man fühlt sich nicht gut, steht einem der sog. Athletictrainer (Physiotherapeut) zur Verfügung und man versucht gemeinsam erst einmal an der Ursache zu arbeiten. Ist keine Besserung in Sicht, besteht sogar die Option zu einem Sportmediziner zu gehen. Da mein linker Knöchel etwas mehr Zuwendung braucht (ich war auch einmal Fußballer), arbeitete ich regelmäßig mit dem Athletic Trainer – den Arzt bekam ich nie zu Gesicht, das ist auch gut so und soll so bleiben. Ergänzt wird das Ganze Athleticsprogamm der NSU – ich denke das bieten nicht viele Division II Unis (es gibt mehr als eine Universitätsliga in Amerika, einfach Google benutzen) -durch einen Sportpsychologen und einen Sporternährungswissenschaftler, die individuelle Beratung anbieten.

Der Name des Uni-Teams (jede Uni hat ihr Masscotchen) ist NSU Sharks, was auch Sinn macht, da die Uni doch nur 10 Meilen von Las Olas entfernt liegt.

Bild 3Das gemeinsame Training im Team findet 6 Tage die Woche mit unseren Trainern statt (samstags ist Pause) und startet für gewöhnlich um 6.30 Uhr und endet gegen 8.30 Uhr mit Koordination, Steigerungen und Core. Die Blackroll und dynamisches Stretchen vor dem Loslaufen sind auch feste Bestandteile zur Kräftigung und Verletzungsprophylaxe. Mo/Mi/Fr werden noch von 8.30-9.30 Uhr im Kraftraum Gewichte gestemmt. In der Cross-Country Saison wurde hauptsächlich dienstags und donnerstags Tempo auf sandigen Böden/Rasen trainiert, da es vor Ort nicht viele Möglichkeiten gibt auf Trails zu trainieren oder hügeliges Gelände zu laufen. Dieses System bereitete aber unser Frauen- und Männerteam gut auf die Wettkämpfe vor und ließ uns auch während der Saison erstarken.

Cross Country (XC) als Unisport in Amerika sind für Männer 5km, 8km oder 10km – wobei man bei den Ergebnissen immer an die vor Ort herrschenden Bedingungen denken muss, so ist z. B. ein Rennen bei 30°C im Schatten, hoher Luftfeuchtigkeit und einem eher flachen Kurs und festen Böden, wie es in Florida vorkommt, anders einzustufen, als ein hügeliges Rennen, bei 15°C im Mittleren Westen des Landes. Es werden hauptsächlich die 8km, lediglich bei Regionals oder Nationals die 10km gelaufen. XC ist in Amerika eine Teamsportart (natürlich gibt es auch eine Einzelwertung) und so werden die Platzierungen der ersten 5 Läufer zusammengezählt. Folglich siegt am Ende das Team mit der geringsten Gesamtsumme.

Bild 4Der erste Wettkampf der vergangenen Crosssaison und somit mein erstes Rennen als Shark, welcher am 04.09.2015 in Boca Raton, Florida, stattfand, und zu dem ich wohl auch noch nicht komplett akklimatisiert war, war ein 5km-Rennen, zu dem wir mit dem Bus anreisten. Das Rennen fand am Nachmittag statt und so war es recht heiß. Gelaufen wurden zwei Runden und ich hielt mich an die Vorgabe des Coaches. Die erste Runde wurde verhalten gelaufen um in der zweiten Runde das Tempo zu erhöhen. Allerdings erzählte mir niemand, dass am Ende der zweiten Runde ein Hügel eingebaut wird. Dennoch konnte ich als erster meines Teams und Gesamtdritter dieses Rennen in einer Zeit von 15.47 durch das Ziel laufen, und obendrein gewann unser Team dieses Rennen. Gelungener Auftakt. Später erfuhr ich, dass ich Schulrekord über die 5km-Distanz. Lessons learnt: Der Teamspirit in Amerika ist unglaublich. 5 km Rennen können schnell vergehen.

(http://nsusharks.com/news/2015/9/4/MXC_0904151652.aspx?path=mcross)

Zum nächsten Rennen (18.9) und natürlich noch im Aufbau befindend, flogen wir nach Michigan zum Michigan State Invitational. Hier standen 8km in einem sehr großen (390 Finisher) und stark besetzten Starterfeld auf einem matschigen Golfkurs an, bei dem hauptsächlich Division I Teams starteten. Das Rennen beendete ich bei äußeren angenehmen Bedingungen in einer Zeit von 26.34 als 62. und bester Shark. Bei diesem Rennen gab es keine Teamwertung für Division II Universitäten. Lessons learnt: Leistungsdichte!? Große Startfelder verleiten dazu in Handgreiflichkeiten und „Spikeunfälle“ verwickelt zu werden. Der Ausflug nach Michigan war super, auch um sich im Team besser kennen zu lernen und gemeinsam Spaß zu haben. In der „Freizeit“ wurde aber tatsächlich auch studiert, also „business as usual“.

(http://nsusharks.com/news/2015/9/18/MXC_0918150717.aspx?path=mcross)

Bild 5Das Dritte Rennen (25.9) fand in Lakeland Florida statt – das Moccasins Invitational. Wir wussten, dass hier knappe vier Wochen später auf gleicher Strecke die Sunshine State Conference Championships (http://www.sunshinestateconference.com/) stattfanden. Klimaanlagen bescherten mir leider eine sehr verschnupfte Woche – dennoch ging ich bei hitzigen Nachmittagstemperaturen an den Start und konnte nach einem soliden Start erneut Dritter im Gesamteinlauf werden. Auf der zweiten Runde der 8km-Strecke sammelte ich circa 20 Leute ein. Der Rundkurs fand auf einem extra Cross-Country-Gelände statt und war sehr kurvig und wellig. Für mich als Europäer war der Teil der Strecke, der durch einen kleinen Wald führte, aufgrund des Bewuchses, ein bisschen wie Regenwald. Als Team belegten wir einen guten zweiten Rang – hinter unserem stärksten Gegner der Saison, Saint Leo. Lessons learnt: Hydration in Florida ist alles. Weniger Training kann zu besserer Leistung verhelfen. Die Amerikaner starten Dinge gerne schnell.

(http://nsusharks.com/news/2015/9/25/MXC_0925154017.aspx?path=mcross)

Die Disney Cross Country Classics waren das vierte Rennen der Saison. Hierzu fuhren wir bereits tags zuvor nach Orlando – ja genau, dort wo auch Disneyland bzw. die ganzen Themenparks sind. Wir als Universitätsteam waren allerdings nur zum nächtigen und laufen da. Business as usual. Der Rundkurs war super und relativ flach. Lediglich die 6 künstlichen Hügel die wie eine große Welle verbunden waren, zusammen mit der immer stärke werdenden Morgensonne, erschwerten einem einen gleichmäßigen Laufrhythmus zu finden. Ich beendete das Rennen mit dem 21. Platz von 256 Läufern und einer Zeit von 25:58 über die 8km. Lediglich Wade White war mit 25:32 min und seinem besten Rennen der bisherigen Saison, was auch PB bedeutete, vor mir. In der Teamwertung belegten wir Platz fünf von 25, was außerdem ein neuer Teamrekord (5 Läufer) mit einer Durchschnittszeit von 26:13 min bedeutete. Lessons learnt: Das Bauchgefühl den Tag vorher täuscht nie. Der Disney Cross Country Classic presented by New Balance is awesome.

(http://nsusharks.com/news/2015/10/10/XC_1010154707.aspx?path=mcross).

Bild 6Am 23.10 fuhren wir dann abermals nach Lakeland zum Moccasins Invite um an einem Vorabendball teilzunehmen und am nächsten Tag auf dem uns bekannten Kurs zu laufen. Diesmal wurden hier die State Conference Championships ausgetragen. Wir waren ambitioniert und wussten, dass es das St. Leo Team zu schlagen galt. Nach einem sehr taktischen Rennen mussten wir uns leider knapp geschlagen geben, so dass die ersten 3 Plätze trotz hartem Kampfgeist unsererseits an die St. Leo Jungs abgegeben werden mussten und lediglich Wade White  (4. Platz; 25:46) und ich mit Rang fünf (25:48) unter die Top 5 laufen konnten. Dennoch konnte erneut der Schulrekord gebrochen werden und auf einer langsameren Strecke konnten wir die Durchschnittszeit des Teams auf 25:57min über die 8km drücken. Lessons learnt: Du weißt dass Du in Florida bist, wenn bei der Streckenbesichtigung eine schwarze Schlange den Weg kreuzt. (Meisterschafts-) Rennen werden erst am Ende oder wie hier in Runde 2 von 2 entschieden. Endspurts gegen Mittelstreckler sollten geprobt werden.

(http://nsusharks.com/news/2015/10/24/MXC_1024154440.aspx?path=mcross)

Als vorletztes Rennen der Saison standen am 7.11.2015 die NCAA Regionals in St. Leo, Florida an. Die Southeast Region besteht aus den Bundesstaaten Alabama, Florida und Georgia. Bei diesen Meisterschaften galt es auch, als Team unter die ersten 3 Plätze zu laufen, um ein Ticket für die Nationals zu lösen. Das war machbar. Bei der Streckenbesichtigung am Vortag wussten wir bereits, dass es ein sehr „toughes“ Rennen werden wird. Die Strecke bestand nur aus Bergan- und Bergabpassagen auf einem Golfplatz, kein flaches Stück, 3 Runden, es wurde das erste mal 10km in der Saison gelaufen, die Strecke war nicht sonnengestützt und der Veranstalter hatte die Startzeit auf 11.15 Uhr gesetzt. Mir rutschte kurz nach der Streckenbesichtigung heraus: „It looks like that it´s gonna be a battlefield tomorrow“… Am nächsten Morgen ahnten wir bereits, dass es sehr heiß werden wird. Ich stand schon mit sehr aufgeheiztem Gemüt an der Startlinie, da dem Veranstalter (auf dem Kurs finden nächstes Jahr State Conference Championships und die NCAA D2 Nationals statt) das Dixie- Toilettenpapier ausging.

Bild 7Wir Jungs waren gut vorbereitet. Aber die Hitze… Battlefield – genau das war es dann am Ende auch. Wir konnten das Rennen mit dem dritten Platz der Teamwertung beenden und qualifizierten uns für die Nationals. Kurz vor Zieleinlauf erreichten die Temperaturen 35°C und so mussten einige Läufer ohne Zieleinlauf, im Sanitätszelt oder gar im Krankenhaus verbringen. Das kann passieren, wenn es verboten ist Wasser zu reichen – was dennoch unfairerweise von einigen Teams praktiziert wurde. Man entschied sich am Vortag unter den anwesenden Coaches gegen eine Darreichung von Wasser, da man annahm, dass dann die „heimischen“ Teams vorteile in der Hitze haben würden. Mein Rennen begann so richtig ab Kilometer 4, als ich das erste Mal mir vertraute Leute am Streckenrand um Wasser anbettelte, da direkt vor mir Läufer Wasser gereicht bekamen. Meine Leute blieben jedoch fair. An das letzte Drittel der Strecke kann ich mich nicht mehr allzu gut erinnern, nur dass ich 300m vor dem Ziel bergan eine Gehpause einlegen musste da ich sehr schwer Luft bekam und dann die letzten 200m nachdem ich wieder zu laufen begann, ins Ziel „Gerollt“ bin. Ich konnte das Rennen als Bester der Sunshine State Confernece und meines Teams beenden und belegte den siebten Rang in einer Zeit von 33.17 min, was für die Strecke und äußeren Bedingungen mehr als zufriedenstellend war. Lessons learnt: Laufen kann sehr hart sein. Gemeinsame Erlebnisse die Improvistion erfordern, schweißen zusammen. Hitzeläufe härten ab.

(http://nsusharks.com/news/2015/11/7/XC_1107151056.aspx?path=mcross)

Wir hatten uns also für die Nationals in Joplin, Missouri qualifiziert. Amerikanische Meisterschaften der Division 2. So flogen wir bereits am 19.11.2015 nach Joplin um zwei Tage später mit circa 300 anderen Läufern aus ganz Amerika über die 10km bei eisigem Wind und leichten Plustemperaturen auf dem MSSU Tom Rutledge Crosscountrycourse (richtig ein Unigelände nur fürs Crosslaufen) im Meisterschaftsrennen zu starten. Am Vorabend gab es ein Banquet bei dem gute Stimmung unter den Wettkämpfern verbreitet wurde.

Die Stimmung in unserem internationalen Team (Amerika:Hawaii,Pennsylvania, Utah; Curacau; Deutschland und Vietnam) war super und ebenfalls der Zusammenhalt. Bevor es an die Startlinie geht wird gemeinsam ein Kreis gebildet und sich gegenseitig zugesprochen bzw. auch einmal ein Gebet gesprochen – Toleranz wird groß geschrieben.

Bild 8Das Rennen, bei dem geschubst, geschlagen und getreten wurde, verging super schnell. Die Strecke war anspruchsvoll, der Boden sehr weich und teilweise matschig. Es wurden zwei Runden gelaufen. Nachdem ich noch nie in einem solch gut besetzten Feld lief, verging das Rennen wie im Flug und auch das Tempo konnte ich aufgrund der Leistungsdichte hochhalten – wobei für mich als Deutschen natürlich auch die „angehnehmen“ äußeren Bedigungen eine Rolle spielten. Vier von sechs Teamkollegen unterboten ihre PB bei diesem Rennen. Zusammen mit einem Teamkollegen unterboten wir den bestehenden Schulrekord. Ich hatte 31.23 zu Buche stehen und mein Teamkollege Maximilian Sperl 31.58min. So ein perfektes Rennen, auch mit der Vorbereitung daraufhin, hatte ich wohl noch nie. Hier hatte alles gepasst – deshalb konnte ich das Ergebnis im ersten Moment auch nicht glauben. Mein Gesamtrang war die 100. Position. Der erste Platz ging an den afrikanischen Läufer Alfred Chelanga mit einer Zeit von 29.24min . Insgesamt blieben acht Läufer unter 30 Minuten. Als Team belegten wir den 31 von 32 Plätze. Im Anbetracht dessen, dass wir schneller waren als unser Universitätsteam im Jahre 2013, als auf der gleichen Strecke Nationals ausgetragen wurden, und dieses Team auch State Conference Championships und Regional Championships gewannen, konnten wir durchaus zufrieden und bereits auf nächste Crosssaison gespannt sein. Lessons learnt: Die Saison passiert beim Höhepunkt. Man braucht Gegner um schnell laufen zu können. Leistungsdichte macht schneller. Gegenseitige Motivation ist alles. Just run. Video des Meisterschaftsrennen: http://www.ncaa.com/video/cross-country-men „2015 DII Championship Full Replay“

(http://nsusharks.com/news/2015/11/21/XC_1121155032.aspx?path=general)

Im Januar und Februar werden die Grundsteine gelegt für die Bahnsaison welche zwischen März und Mai stattfindet und bei dem ich mir ein paar neue Bestzeiten ausrechne. Aktuell heißt es für mich: Go Sharks!

Christian Oppel

Internetauftritt: http://nsusharks.com/index.aspx?path=mcross&

Geplant ist ein Heimataufenthalt im Juli nächsten Jahres, wobei ich noch nicht weiß wo ich starten werde – natürlich reizen mich die Deutschen Berglaufmeisterschaften am Tegelberg.. Bei Fragen stehe ich gerne unter co429@nova.edu oder christian.oppel@gmx.de zur Verfügung.

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